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so faengt kein roman an
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Wenn Berenice von ihrem Beruf erzählt, dann leuchten ihre Augen. Jedes Mal, wenn sie nach einer 30-Stundenschicht nach Hause kommt ist sie erschöpft aber glücklich. Berenice ist Hebamme. Weil sie sich nichts mehr wünscht, als allen Müttern die für sie ideale Geburtssituation zu schaffen entschied sie sich vor zwölf Jahren als freie Hebamme zu arbeiten.

Mütter kommen zu ihr auf Empfehlung oder weil sie Neugierig sind. Auf jeden Fall können sie sicher sein, dass die ihnen vertraute Hebamme vom Anfang der Schwangerschaft bis zum Ende der Säuglingszeit für sie da ist. Dafür nimmt Berenice in Kauf, immer erreichbar zu sein. Sie war schon seit vielen Jahren nicht im Kino, weil es dort keinen Funkempfang gibt und sie musste schon so viele Verabredungen absagen, dass sie kaum noch welche bekommt.

Seit drei Jahren ist Berenice selber Mutter. Immer wenn sie die Herzen der Mütter anderer Kinder wärmt dann blutet ihr eigenes Mutterherz. Immer dann wenn sie nicht bei ihrem Kind sein kann. Als selbstständige Unternehmerin muss sie zunächst die hohen laufenden Kosten abdecken, bevor sie etwas für sich und ihre Tochter erwirtschaften kann. Seit sie Mutter ist, schafft sie die 80-Stunden Wochen nicht mehr, die dafür nötig wären. Es beginnt ein Wettlauf gegen die weiter steigenden Fixkosten, allen voran die Versicherungsprämie, die fast 30% ihrer Einnahmen ausmachen.

Ihr Stolz verbietet es ihr sich etwas anmerken zu lassen, wenn sie jahrelang dieselben Sachen anziehen muss. Geschickt kombiniert sie aus ihrem Kleiderschrank damit es niemandem auffällt. Wenn Berenice sich etwas leistet, dann ist es ein Stück Kuchen aus der Konditorei. Die Fixkosten steigen weiter. Die Versicherungsprämie steigt auf 40%. Das heißt noch mehr Arbeiten und das Kind noch weniger sehen, nur damit sie ihren Job machen kann, den sie so liebt. Manchmal verflucht sie ihn auch, dann fragt sie sich warum sie nicht studiert hat mit ihren Jahrgangsbesten-Abitur. Wie beschämend ist es, wenn man sein Kind nicht mehr angemessen Aufziehen kann und dazu noch nicht mal die Liebe geben kann die jedes Kind verdient?

Dann erinnerte sie sich, wie Ihr Vater der Tierarzt war , sie immer mitnahm wenn die Kühe kalbten oder die Schweine neue Ferkel warfen. Sie verdrängte die Sorgen und machte weiter.

Das Jahr ist zu Ende, der Steuerbescheid ist da und die Versicherungsprämie liegt inzwischen bei 50%. Die Steuerrückzahlung kann sie nicht mehr aufbringen. Die Frau die 500 Menschenkindern das Leben geschenkt hat und so manche Ehe mit ihren Ratschlägen gerettet hat, kann, darf ihren Beruf nicht mehr ausüben.

Die Frauen die verzweifelt bei ihr anrufen, weil sie schon die 30. Absage von einer Beleghebamme bekommen haben muss sie enttäuschen. Berenice ist kein Einzelfall. Viele freie Hebammen haben schon oder werden in Kürze ihren Beruf aufgeben müssen. Für die Mütter in Deutschland bedeutet dies das Ende der freien Wahl einer Hebamme. Sie werden die Hebamme bekommen, die an ihrem Geburtstag gerade Schichtdienst hat. Eine Hebamme die mehrere Mütter zugleich betreut und nur noch an Effizienz denken muss anstatt an die Fürsorge für Mutter und Kind.

Das deutsche Hebammenvergütungssystem krankt. Darunter leiden die Mütter und ihre Hebammen.

Es verbietet freiberuflichen Hebammen in Teilzeit zu arbeiten. Hebammen die so vielen anderen Müttern ermöglichen ihren Kinderwunsch zu erfüllen dürfen selbst keine Kinder haben, schlicht weil sie es sich nicht leisten können überhaupt zu arbeiten. Das ist an Zynismus kaum zu überbieten.

Der Hebammenverband verhandelt seit Jahren mit den Spitzenverbänden der Krankenkassen, ohne Erfolg. Insbesondere die Lasten der Versicherungsprämien müssen neu verteilt werden. Die Situation ist festgefahren. Hebammen und Mütter brauchen eine politische Lösung.

Ab 5. Mai läuft eine Petition an den Bundestag. Jeder kann mit seiner Stimme den Hebammen mehr Aufmerksamkeit schenken. Petitionen sind ein Bürgerrecht. Es kostet euch 5 Minuten sich anzumelden. Nutzt dieses Recht, die Hebammen haben es verdient.

Link zu mehr Informationen: http://www.hebammen-protest.de/

Berenice erwartet im Mai ihr zweites Kind. Ob sie jemals wieder als Hebamme arbeiten kann ist ungewiss.

Ich war einigermaßen schockiert einen konservativen Leitartikel zum Urheberrecht in der Zeit zu lesen. Das und die Tatsache, dass es anscheinend weniger Leute animiert dazu Kommentare zu schreiben als zu einem Feministenartikel von Alice Schwarzer finde ich sehr bedenklich. Hier wird schließlich nicht weniger verhandelt als die Grundgesetze unserer zukünftigen digitalen Gesellschaft.

Das dachte wohl auch ein Hacker, da die Kommentarfunktion der Zeit online seit einer Weile offline ist.

Dann also hier mein Kommentar: Was technisch machbar ist, wird auch gemacht. Erst Recht wenn man sich die neueste Folge einer US-Serie eben nicht direkt kaufen kann für einen EURO. Noch schlimmer, man kann keine der Folgen jemals im Original verfolgen, wenn man nicht zufällig in den USA ist. Und noch viel schlimmer, warum weiss ich z.B. nichts über eine indische Serie, die vielleicht noch viel besser ist?

Was ich daraus schließe: Die digitalen Vorreiter brauchen mehr politisches Gehör jenseits von NGO's wie FFII und CCC. Wie Die Grünen in den 70igern das gewachsene Bedürfnis nach neuen Regeln im Umweltschutz bedienten bedarf es heute einer Partei die das gewachsene Bedürfnis nach Regeln rund um Datenschutz und Informationsfreiheit bedient. Und siehe da es gibt sie. Selbstironischerweise heißt sie auch noch Die Piratenpartei.

Social Media Convention 2009 in Berlin:



Ich freue mich besonders auf Cory und Beiträge zu Politik 2.0. Können Blogger bzw. Internet Aktivisten die Gesellschaft verändern? Und wenn ja, wie?

 

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